Donnerstag, 22. Juli 2010
Die Kamera in der Fabrik
Vortrag mit Filmbeispielen von Pascal Jurt aus Wien
Harun Farocki weist in seinem Filmessay “Die Arbeiter verlassen die Fabrik” von 1995 darauf hin, dass der Arbeits- oder
Arbeiterfilm kein Hauptgenre geworden sei. Obwohl die Geschichte des Kinos mit dem Verlassen der Arbeiter der Fabrik - im zweiten Lichtspiel der
Brüder Lumière - beginnt, sei der Platz vor und in der Fabrik ein Nebenschauplatz geblieben. Die meisten Erzählfilme spielten in dem Teil des Lebens,
der die Arbeit hinter sich gelassen hat.
Im Jahr der Revolte, 1968, als nicht nur in Frankreich im Kontext von Arbeitskonflikten und wilden Streiks die Arbeiter_innen aktiv geworden waren
und selbst das Wort ergriffen hatten, stellte sich auch für den Film die Frage, inwiefern man als Filmemacher_in Arbeiter_innen zu Wort kommen lassen
und inwiefern man die Erfahrungen der Arbeiter_innen und deren Arbeitsalltag als formale Fragen selbst auch im Film thematisieren kann.
Jean-Luc Godard stellte fest, dass er nicht wisse, wie der Arbeiter arbeite. Als Konsequenz ging er als Journalist und gauchistischer Militanter
in die Fabrik, von wo aus er für verschiedene linksradikale Zeitschriften wie “J’accuse” berichtete. 1972 drehte er zusammen mit Jean-Pierre Gorin
und internationalen Stars im 35mm-Kinoformat den Film “Tout va bien”, in dem eine amerikanische Journalistin (Jane Fonda) und ein
Nouvelle-Vague-Filmemacher (Yves Montand) in einen Streik in einer Wurstfabrik geraten. Damit reagierten sie auf den im selben Jahr fertig
gestellten Film “Coup pour Coup” von Marin Karmitz, in dem die Geschichte eines spontanen Streiks in einer Textilfabrik im Norden Frankreichs
erzählt wird. Karmitz’ Kollektivarbeit mit den Arbeiter_innen, die sich hier als Laienschauspieler_innen quasi selbst verkörpern, thematisierte das
soziale Gefälle zwischen denen, die filmen, und denjenigen, die gefilmt werden.
Nicht nur die symbolische Ordnung, die Kommandostruktur der Fabrik, das Repräsentations-Modell der KP und der Gewerkschaften wurde in Frage gestellt,
sondern auch der Kampf um die Kamera. Beide Filme lösten hitzige Debatten aus um ästhetische und politische Linke, um die Wirksamkeit von Künstler-
und Sozialkritik, das Ende des Aufbruchs des Gauchismus/Linksradikalismus (Alain Badiou, “La fin d’un commencement”) und um die Frage, wie Kunst
kritisch wirksam sein und politisch werden kann. Die “Cahiers du cinéma” veröffentlichten 1972 zwei Ausgaben zu “Klassenkämpfen”, in denen es um
die Darstellbarkeit von Arbeit und den solidarischen Blick zur Arbeiterklasse gehen sollte. Positionierungskämpfe zwischen spezifischen und
allgemeinen Intellektuellen brachen auf. Die Frage nach militanter Kunst wurde neu verhandelt.
Ausschnitte aus beiden Filmen werden gescreent und diese rahmenden Diskurse aufgegriffen. Entscheidend ist, dass nicht nur die immanente Analyse,
die sich auf formale Strukturen von Film konzentriert, im Vordergrund stehen soll, sondern vielmehr, dass Fragen der Produktion und Rezeption der
Filme miteinbezogen werden.
Gültige Aussagen über (politische) Film lassen sich nicht machen. Nur über das, was aus Film geworden ist. Darum wird an diesem Abend über die Kamera
in der Fabrik neben den Bildern die Untersuchung der Rezeptionsprozesse im Vordergrund stehen.
Pascal Jurt, Soziologe, forscht derzeit an der Akademie der Bildenden Künste(Wien) zu Streik, Selbstorganisation und Autonomie im Film.
Donnerstag, 22. Juli 2010, 20:00 Uhr
im "Club für Sich", Friedelstr. 54, Berlin-Neukölln
(U-Bahnhof Hermannplatz)
***
Mai 2010
Klasse und Klassenkampf
Veranstaltungen in Erfurt und Hannover
Freitag, 14. Mai 2010, 20:30 Uhr
Offene Arbeit
(Allerheiligenstrasse 9, Erfurt)
Montag, 24. Mai 2010, 20:00 Uhr
Institut für Soziologie u. Sozialpsychologie
(Im Moore 21, Raum A210, Hannover)
***
9. Mai 2010
Kritische und erstickende Zeiten
Ein Bericht von TPTG (Athen) über die Demonstrationen in Athen vom 5. und 6. Mai
sowie einige allgemeine Gedanken zur gegenwärtigen kritischen Situation
der Bewegung in Griechenland
Obwohl sich der akute fiskalpolitische Terrorismus zurzeit mit ständigen Drohungen eines unmittelbar bevorstehenden Staatsbankrotts und
"notwendigen Opfern" von Tag zu Tag verschärft, war die Antwort des Proletariats unmittelbar vor der Verabschiedung neuer Austeritätsmaßnahmen
im griechischen Parlament beeindruckend.
Es war vermutlich die größte Demonstration von Arbeitern seit dem Ende der Diktatur, größer noch als die im Jahr 2001, die zum Ergebnis hatte,
dass eine geplante Rentenreform zurückgezogen wurde. Nach unseren Schätzungen waren im Athener Stadtzentrum mehr als 200.000 und im Rest des Landes
weitere 50.000 Demonstranten auf der Straße. In fast allen Sektoren des (Re-)Produktionsprozesses fanden Streiks statt. Auch eine proletarische
Menge, die jener ähnelte, die im Dezember 2008 auf die Straße gegangen war (und die in der Propaganda der Mainstream-Medien abwertend als
"vermummte Jugendliche" bezeichnet wird), war mit dabei, ausgerüstet mit Äxten, Hämmern und Vorschlaghammern, Molotowcocktails, Steinen, Gasmasken,
Schutzbrillen und Stöcken. Obwohl die Vermummten mitunter ausgebuht wurden, wenn sie zu gewaltsamen Angriffen auf Gebäude übergingen, passten sie
insgesamt gut in den bunt zusammengewürfelten und wütenden Strom von Demonstranten. Die Parolen reichten von einer vollständigen Ablehnung des
politischen System ("Brennen wir dieses Bordell von Parlament nieder!") bis zu patriotischen ("IWF raus!") und populistischen Losungen ("Diebe!",
"Das Volk verlangt, dass die Gauner ins Gefängnis gesteckt werden!"). Parolen, die sich aggressiv gegen Politiker im Allgemeinen richten, gewinnen
gegenwärtig mehr und mehr Verbreitung.
***
Mai 2010
Griechische Krankheit,
deutsche Misere
"… wenn die Demokraten die Regulierung der Staatsschulden verlangen,
verlangen die Arbeiter den Staatsbankrott."
Karl Marx und Friedrich Engels
Der drohende Bankrott Griechenlands hat die
Lohnabhängigen ins Zentrum des Geschehens
gerückt. Er blamiert nicht nur die seit
Monaten beschworene Stabilisierung der Weltwirtschaft
als eine vorschnelle Diagnose, sondern
führt vor allem in aller Drastik vor Augen, dass
sie von der weiteren Opferbereitschaft der Ausgebeuteten
abhängt und auf diese nicht überall
gezählt werden kann. Das ist es, was den Fall
Griechenland zum Menetekel macht und hierzulande
eine aufgeregte Kampagne gegen die
„Pleite-Griechen“ (Bild) auslöste, die „über ihre
Verhältnisse gelebt“ und damit nicht nur den
eigenen Staat, sondern auch den Euro in Gefahr
gebracht hätten – und die sich zu allem Überfluss
nun, in der Stunde der größten Not, nicht etwa
willig in ihr Schicksal staatlich verordneter
Verarmung fügen, sondern lieber auf die Barrikaden
gehen. Denn beim großen Gerangel um die
Zukunft des griechischen Staates, das unter den
Staatslenkern und Wirtschaftsführern Europas
ausgebrochen ist, steht eines nicht zur Debatte:
die Notwendigkeit harter Einschnitte in die
Existenzmittel der lohnabhängigen Bevölkerung,
ein Programm, das der britische Economist kürzlich
mit der Nüchternheit der aufgeklärten Bourgeoisie
in vier Worte fasste: Now comes the pain.
***
Donnerstag, 29. April 2010
Offene Rechnungen
Diskussionsveranstaltung zur sozialen Krise in Griechenland
mit Genossinnen von TPTG (Athen)
"… wenn die Demokraten die Regulierung der Staatsschulden verlangen,
verlangen die Arbeiter den Staatsbankrott."
Karl Marx und Friedrich Engels
Dezember 2008. Die polizeilichen Schüsse, die das Leben eines 15-Jährigen abrupt beenden, treiben in ganz Griechenland SchülerInnen, Studierende,
MigrantInnen und Prekarisierte auf die Straße. Straßenkämpfe und Plünderungen, aber auch Besetzungen öffentlicher Räume sowie Versammlungen
prägten wochenlang den Alltag überall im Lande. Die Wut galt einem immer mehr "entwerteten, überwachten und entfremdeten Leben".
Frühling 2010. Der griechische Staat steht praktisch vor der Pleite. Drastische Einschnitte in die Existenzmittel der Lohnabhängigen treffen
auf eine reformunwillige Bevölkerung. Nun bewegt sich der in Lohn und Brot stehende Teil des Proletariats und nimmt an Demos und Streiks teil.
Genossen aus Griechenland werden darüber berichten, was die letztgenannten Kämpfe mit den ersteren verbindet und wodurch sie sich unterscheiden.
Was ist an der Lage spezifisch griechisch und welcher Zusammenhang besteht zur Lage in der BRD und sonstwo auf der Welt? Das widerspenstige Verhalten
von Teilen der griechischen Bevölkerung steht in krassem Widerspruch zu der Passivität, mit der hierzulande jede Verschlechterung, in dem Glauben
"noch Schlimmeres" abgewendet zu haben, hingenommen wird.
Im Fall Griechenland wird nicht nur der Klassencharakter der Krisenbewältigung deutlich, sondern auch die verschärfte Staatenkonkurrenz, die sich
in nationalistischer Stimmungsmache niederschlägt.Der Bruch mit diesen Ideologien ist erste Voraussetzung für jeden Widerstand der Lohnabhängigen in
der gegenwärtigen Situation.
Donnerstag, 29. April 2010, 19:30 Uhr
Tristeza, Pannierstraße 5 (Berlin-Neukölln, U-Bahn Hermannplatz)
***
Ab April 2010
Sozialrevolutionärer
Diskussionszirkel
Di., 6. April: Krise und sozialer Widerstand in Griechenland
Di., 4. Mai: Krise der Automobilindustrie - Standortnationalismus und Gewerkschaften
jeweils um 19:30 Uhr im Mehringhof (Blauer Salon),
Gneisenaustr. 2a, Berlin-Kreuzberg (U-Bahnhof Mehringdamm)
***
Sonntag, 14. März 2010
Fiktives Kapital und reale Krise,
realer Kapitalismus und fiktive Lösungen
Veranstaltung in Siegen-Weidenau
Das große Zittern um die Zukunft des griechischen Staates zeigt es in aller Deutlichkeit: Die gegenwärtige Krise ist die Rückkehr jener totgesagten Krisen, die an den Fundamenten der kapitalistischen Gesellschaft rütteln; sie ist keineswegs überwunden, sondern hat sich in rapidem Tempo auf die Ebene der Staaten ausgebreitet. Was in den wirtschaftlich schwächeren Regionen das Gespenst des Staatsbankrotts hervorruft, befeuert hierzulande bereits die Hatz auf die Empfänger von Sozialleistungen.
Die etatistische Linke hat unterdessen wenig mehr zu bieten als Verschlimmbesserungen. Der linkskeynesianische Vorschlag, das Einkommen der „Bürger“ zu erhöhen, um die Krise zu überwinden, geht von der prinzipiellen Versöhnbarkeit von Kapital und Lohnabhängigen aus; und die Forderung nach Verstaatlichung von Banken und Unternehmen, die bis in ehemals autonome Kreise hinein laut wird, verstärkt die gegenwärtige Tendenz zum starken Staat und nationalen Lösungen. Keynesianische Programme können Krisen nicht lösen, sondern nur verschieben: Die gigantischen Konjunkturpakete von heute bereiten den Boden für die Krise von morgen. Entgegen den linken Illusionen gilt es, den Zusammenhang zwischen Kapitalakkumulation, Staatsverschuldung und fiktivem Kapital zu durchleuchten.
Dabei geht es nicht um akademische Fingerübungen, sondern um die Perspektiven der Klassenkämpfe. Denn die doppelte Aufgabe des Staates, einerseits das System der Ökonomie zu retten und andererseits den sozialen Frieden zu bewahren und offene Revolten zu verhindern, läuft immer mehr auf einen ungemütlichen Spagat hinaus: Nicht nur in Griechenland, auch im schwer gebeutelten Kalifornien und einigen anderen Staaten trifft die Krise bereits mit entschiedenen Kämpfen zusammen. Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach den revolutionären Potentialen zu stellen, die in der gegenwärtigen Entwicklung liegen; und die nach der Stoßrichtung für eine kommunistische Intervention in die sozialen Konflikte, die bereits aufbrechen.
Sonntag, 14. März 2010, 19:30 Uhr
Buchladen "Bücherkiste", Bismarckstr. 3, Siegen-Weidenau
***
Januar 2010
"Anarchisten der Bourgeoisie"?
Als "Anarchisten der Bourgeoisie", die "das gesamte Programm der
Konterrevolution im Gewand des Anarchismus" verträten, hat Peter Nowak
die Libertären der venezolanischen Zeitschrift "El Libertario"
dargestellt. Wir dokumentierten im Folgenden eine Erwiderung von Sergio
Lopez, der sich in Kosmoprolet 1 und 2 eingehender mit dem "Sozialismus
des 21. Jahrhunderts" in Venezuela befasst hat.
***
Januar 2010
Die Leninisten sind
die Clochards der Geschichte
(Emile Marenssin)
Chronologie einer kleinen Schmierenkomödie, die keinerlei Erkenntnis-,
aber einen gewissen Unterhaltungswert bietet
Wir dokumentieren im Folgenden unsere Antwort auf die Einladung "zu einem öffentlichen und fairen Disput in Sachen ‚Revolutionäres
Subjekt', ‚Diktatur des Proletariats' und ‚Wissenschaftlicher Sozialismus' in einer gemeinsamen Veranstaltung", die der Betreiber der
Online-Zeitschrift Trend, Karl Müller, im Oktober vergangenen Jahres im Editorial derselben an uns gerichtet hat. Anlass zu der Einladung gab
offenbar, dass wir Müller aufgrund seiner Besprechung von Kosmoprolet 1 im folgenden Heft als eine "im geistigen Morast der K-Gruppen stecken
gebliebene" Person vom intellektuellen Format Erich Honeckers beschrieben hatten, womit wir keineswegs beabsichtigten, in irgendeine Form der
Auseinandersetzung mit ihm zu treten.
***
Ab Oktober 2009
Die Krise
Offener Diskussionszyklus
Der offene Diskussionszyklus zur Krise nähert sich seinem vorläufigen Abschluss.
Nachdem im Herbst Texte von
Sander,
Karl-Heinz Roth
und
Sergio Bologna
besprochen wurden, geht es im Januar mit einer ausführlichen Analyse der Zeitschrift
Kontroversen weiter.
Im Februar werden wir auf Vorschlag eines Zyklusteilnehmers die
"Thesen zur Krise" diskutieren, die wir für die
zweite Ausgabe von
Kosmoprolet verfasst haben.
Zu diesem Zweck sollen sie an diesem Abend einer einführenden Kritik unterzogen werden.
Die Treffen finden jeweils ab 19.30 Uhr im Blauen Salon im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a, Berlin-Kreuzberg) statt und stehen allen Interessierten
offen.
Es wird empfohlen, die zur Diskussion stehenden Texte vorher zu lesen.
Nächste Termine:
Di., 5. Januar 2010: Kontroversen, "Die Wirtschaftskrise begreifen": "Teil 1"
und "Teil 2"
Di., 2. Februar: Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft, "Thesen zur Krise"
***
Donnerstag, 28. Januar 2010
Die Proteste in Griechenland
Veranstaltung in Leipzig
Ein abgefackelter Weihnachtsbaum, ausgebrannte Banken und Geschäfte, Angriffe auf Polizeistationen und heftige
Straßenschlachten – ausgelöst durch den Tod eines 15-jährigen Jugendlichen durch Polizeikugeln bestimmten diese Bilder der griechischen Revolte
wochenlang das Geschehen in den hiesigen Medien.
Im Schatten dieser medialen Ereignisse wurden in Griechenland landesweit Schulen und Universitäten besetzt, Gewerkschaftszentralen und Rathäuser
„befreit“ und zu offenen Versammlungsorten umgestaltet. Träger dieser Revolte waren Schülerinnen, Studenten, prekäre Arbeiter und erstmalig
Migrantinnen, die sich trotz Hetze und Spaltungsversuchen gemeinsam gegen immer beschissenere Arbeits- und Lebensbedingungen, einen korrupten
Staatsapparat und Polizeigewalt auflehnten und über Wochen hinweg in selbst organisierten Versammlungen das weitere Vorgehen bestimmten.
Die massenhafte Beteiligung der vorwiegend jungen Proletarisierten sowie die Breite dieser Bewegung, die weit über anarchistische und autonome
Gruppen hinausging, geben allen Anlass zu Optimismus für zukünftige Revolten, die angesichts der gerade beginnenden Krise überall ausbrechen könnten.
Diese hoffnungsvollen Momente sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bewegung in Griechenland bestimmte Segmente des Proletariats
kaum erfasste und der unmittelbare Produktionsprozess weitestgehend unberührt von ihr blieb.
Donnerstag, 28. Januar 2010, 19:00 Uhr
GWZ 5116, Beethovenstraße 15, Leipzig
***
Donnerstag, 14. Januar 2010
Fiktives Kapital und reale Krise,
realer Kapitalismus und fiktive Lösungen
Veranstaltung in Bochum
Die gegenwärtige Krise ist die Rückkehr totgesagten Krisen, die an den Fundamenten der kapitalistischen Gesellschaft rütteln
und deren Ausbruch durch die keynesianische Politik verschoben aber nicht verhindert wurde. Der Vorschlag, das Einkommen der "Bürger" zu erhöhen,
um die Krise zu überwinden, geht von der prinzipiellen Interessenkompatibilität zwischen Kapital und Arbeit aus. Es gilt aber den Zusammenhang
zwischen der Dynamik der Kapitalakkumulation, der Staatsverschuldung und der Rolle des fiktiven Kapitals zu durchleuchten.
Die Staaten haben die Aufgabe, erstens das System der Ökonomie zu retten und zweitens den sozialen Frieden zu bewahren, offene Revolten zu
verhindern. Die gigantischen Konjunkturpakete bereiten gleichzeitig den Boden für die Krise von morgen.
Für Kommunisten ist das Verhältnis zwischen Krise und Klassenkampf von zentraler Bedeutung. Das System der Lohnarbeit ist nicht unbedingt am Ende.
Dennoch müssen die Fragen nach den revolutionären Potentialen, die in der Entwicklung der Krise stecken, und die nach der Stoßrichtung für eine
kommunistische Intervention in die sozialen Konflikte, die im Verlauf des Krisenablaufs zu erwarten sind, gestellt werden.
Zum Thema spricht ein Genosse der Freudinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft.
Donnerstag, 14. Januar 2010, 19:30 Uhr
Soziales Zentrum (Josephstraße 2, Bochum)
***
November 2009
Die Krise des Kapitals
Veranstaltungen in Freiburg und Frankfurt
Sonntag, 8. November 2009, 15:00 Uhr
KTS (Basler Str. 103, Freiburg)
In Frankfurt werden auf Einladung der
Gruppe K-21 Leute von den
Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft zur Krise referieren.
Freitag, 13. November 2009, 20:00 Uhr
Café Exzess (Leipziger Str. 91, Frankfurt)
***
Dienstag, 29. September 2009
Thesen zur Krise
Vorstellung von KOSMOPROLET 2
"Die Krise lässt den Gegensatz von Wert und
Gebrauchswert noch deutlicher hervortreten,
etwa im Bild des amerikanischen Polizisten, der
durch ein verlassenes Haus patrouilliert, um sicherzustellen,
dass seine bankrotten Bewohner
tatsächlich ausgezogen sind und nun unter einer
Brücke oder in einer der vielen neuen Zeltstädte
ihr Dasein fristen. Eine Gesellschaft, in der die
bewaffnete Staatsmacht dafür sorgt, dass ein
Haus seinen menschlichen Zweck nicht erfüllt,
ist offenkundig verrückt, und sobald die Proletarisierten
im Bild dieses Polizisten das Wesen
der Gesellschaft erkennen, könnte die Geschichte
eine unerwartete Wendung nehmen."
Dienstag, 29. September 2009, 19:30 Uhr
K9 (Kinzigstr. 9, Berlin-Friedrichshain)
***
Sommer 2009
Kosmoprolet 2 ist erschienen
Die zweite Nummer der Zeitschrift KOSMOPROLET (204 Seiten DIN A5, Klebebindung, 4 €) ist erschienen.
Sie enthält folgende Beiträge:
Fragmente über die Tage, die Teheran erschüttern
Thesen zur Krise
Eine Krise des Werts
(ungekürzte Fassung)
Das Ende der Lähmung. Der Aufstand in Griechenland.
    
Mit einigen Dokumenten aus der
griechischen Bewegung
Barrikaden. Der Aufstand in Oaxaca
Ein Schritt in die falsche Richtung. Zum Leninismus
Reaktionen auf die 28 Thesen zur Klassengesellschaft
Neues aus dem Reich des Caudillos
Ein Club für sich
Die Zeitschrift wird von den Freundinnen und Freunden der klassenlosen Gesellschaft (Berlin), Eiszeit (Zürich),
Gruppe K-21 (Frankfurt/M.) sowie La Banda Vaga (Freiburg) herausgegeben.
***
Donnerstag, 17. September 2009
Christian Riechers und die
Kritik des historischen Antifaschismus
Buchvorstellung und Diskussion mit Felix Klopotek (Köln)
In den 1970er Jahren blühte der akademische Marxismus,
aber die eifrige Textproduktion konnte schon damals die Sterilität der Theoretiker kaum übertünchen.
Christian Riechers (1936-1993) hat im Off der linken Mainstream-Debatten ("Organisationsfrage", "Staatsableitung")
eine Kritik des Antifaschismus erarbeitet: Er zeigt die Einflüsse stalinistischer Gängelung und sozialdemokratischer
Burgfriedenpolitik in den historischen Antifa-Strategien auf. Wenn er stattdessen, ganz orthodox, auf den Klassenkampf
als die beste Vorwärtsverteidigung setzt, erweist er sich darin als unabhängiger und radikaler Denker. Lange Jahre vergessen,
sind jetzt seine Texte wieder veröffentlicht worden. Sie analysieren die Niederlagen der Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert schonungslos.
Herausgeber Felix Klopotek wird Christian Riechers und seine Kritik am Antifaschismus exemplarisch vorstellen.
Donnerstag, 17. September 2009, 19:30 Uhr
Versammlungsraum im Mehringhof (Gneisenaustr. 2a, Berlin-Kreuzberg)
***
Vorveröffentlichung aus KOSMOPROLET 2
Fragmente über die Tage,
die Teheran erschüttern
Das System der iranischen Theokratie, das sich als „Islamische
Republik" bezeichnet, hat sich in eine verzweifelte
Lage manövriert. Seit der Wahlfarce vom 12. Juni ist ein unverhüllter
Machtkampf ausgebrochen, in dem die diversen
Fraktionen des Regimes auf Leben und Tod gegeneinander
und zugleich gegen die radikaleren Manifestationen der gesellschaftlichen
Unzufriedenheit antreten. Die tieferen Gründe
dieser für die Grundlagen des Systems desaströsen Entwicklung
liegen in dem durch die ökonomische Krise und den
Verfall des Ölpreises eingeschränkten Verteilungsspielraum
des Regimes: Der von der Theokratie verwaltete Rentiersstaat
kann die Schaffung breiter Loyalität durch die Verteilung der
Ölrente nicht mehr gewährleisten. Erste Anzeichen dafür waren
bereits die Benzinriots vor zwei Jahren, die in der Verwüstung
von Tankstellen und Straßenkämpfen kulminierten. Alle
Widersprüche, die das theokratische System prägen, liegen
nunmehr offen zutage.
***
Offener Diskussionszyklus
Kommunistische Dissidenz
In Zeiten beschleunigter weltweiter Proletarisierung bei gleichzeitigem Ausbleiben von offensiven Klassenkämpfen,
wollen wir mit allen Interessierten über die Dissidenten der europäischen Arbeiterbewegung diskutieren, die im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts
der Zwangsjacke von Autoritarismus, Etatismus und Parteiform entschlüpft sind. Anhand von ausgewählten Texten, die in Form eines
Readers
gedruckt oder online erhältlich sind, soll dabei der gerade in Deutschland
vorherrschende bornierte Blick auf die Arbeiterbewegung erweitert werden.
Diskutiert wurden im Laufe des Jahres u.a. Texte der
Gruppe Internationaler Kommunisten Hollands,
Amadeo Bordigas, der
Kritischen Theorie,
Georg Lukács über
Raniero Panzieri,
Guy Debord,
Mariarosa Dalla Costa bis hin zu
John Holloway.
Das dreizehnte und vorerst letzte Treffen findet
am Dienstag, den 7. Juli 2009 um 19.45h im Trödler, Dresdenerstr. 123 (Berlin-Kreuzberg) statt.
Diskutiert wird der Text "Vom Schrei der Verweigerung zum Schrei der Macht: Zur Zentralität der Arbeit" (1995) von
John Holloway,
der sich zusammen mit einigen Angaben zum Autor
hier abrufen lässt.
***
Im Folgenden dokumentieren wir ein Flugblatt,
das bei der DGB-Demo gegen die Krise am 16. Mai in Berlin verteilt wurde
Die Fäuste ballen,
aber den sozialen Frieden bewahren!
Bitte denkt nicht an Streik!
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
so mancher fragt sich in diesen Tagen: Ist unsere soziale Marktwirtschaft wirklich »die beste aller Welten«?
Wir vom DGB haben in den letzten Jahren immer wieder gesagt: Wir müssen schmerzhafte Einschnitte hinnehmen, damit es wieder aufwärts geht
mit unserer Wirtschaft. Und wir haben Wort gehalten: Leiharbeit, Flexibilisierung, Hartz IV, Lohnzurückhaltung – gemeinsam mit unserem Partner,
dem BDI, konnten wichtige Innovationen auf den Weg gebracht werden.
Doch statt Aufschwung haben wir nun eine schwere Wirtschaftskrise.
***
Donnerstag, 23. April 2009
Das Ende der Lähmung
Der Aufstand in Griechenland und die Zukunft der Klassenkämpfe.
Veranstaltung mit einem Genossen von TPTG (Athen)
Ein abgefackelter Weihnachtsbaum, ausgebrannte Banken und Geschäfte, Angriffe auf Polizeistationen und heftige
Straßenschlachten – ausgelöst durch den Tod eines 15-jährigen Jugendlichen durch Polizeikugeln bestimmten diese Bilder der griechischen Revolte
wochenlang das Geschehen in den hiesigen Medien.
Im Schatten dieser medialen Ereignisse wurden in Griechenland landesweit Schulen und Universitäten besetzt, Gewerkschaftszentralen und Rathäuser
„befreit“ und zu offenen Versammlungsorten umgestaltet. Träger dieser Revolte waren Schülerinnen, Studenten, prekäre Arbeiter und erstmalig
Migrantinnen, die sich trotz Hetze und Spaltungsversuchen gemeinsam gegen immer beschissenere Arbeits- und Lebensbedingungen, einen korrupten
Staatsapparat und Polizeigewalt auflehnten und über Wochen hinweg in selbst organisierten Versammlungen das weitere Vorgehen bestimmten.
Die massenhafte Beteiligung der vorwiegend jungen Proletarisierten sowie die Breite dieser Bewegung, die weit über anarchistische und autonome
Gruppen hinausging, geben allen Anlass zu Optimismus für zukünftige Revolten, die angesichts der gerade beginnenden Krise überall ausbrechen könnten.
Diese hoffnungsvollen Momente sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bewegung in Griechenland bestimmte Segmente des Proletariats
kaum erfasste und der unmittelbare Produktionsprozess weitestgehend unberührt von ihr blieb.
Gemeinsam mit einem Athener Genossen wollen wir über die griechischen Besonderheiten und die verallgemeinerbaren Tendenzen der Revolte, über deren
Grenzen sowie die noch immer statt findenden Kämpfe diskutieren.
Donnerstag, 23. April 2009, 19:30 Uhr
K9, Kinzigstr. 9, Berlin-Friedrichshain
***
Flugblatt zu den Demonstrationen gegen die Krise am 28. März
A better life for you and me!
Die große Krise führt es den Proletarisierten in aller Herren Länder eindringlich vor Augen: Sie produzieren eine Welt,
die nicht die ihre ist und sich ihrer Kontrolle vollständig entzieht, im Aufschwung wie in der Krise. In den vergangenen Jahren hieß es: mehr
Verzicht für bessere Zeiten. Jetzt heißt es: mehr Verzicht für weniger schlechte Zeiten.
***
Januar 2009
Thesen zur Bewegung in Griechenland
Wir dokumentieren im Folgenden einige Thesen zur Bewegung in Griechenland, die dort von einigen Genossinnen & Genossen kurz vor
Weihnachten verbreitet wurden.
Eine Fortsetzung der
Chronologie,
die wir im Dezember übersetzt hatten, findet sich
hier, allerdings nur auf Englisch.
***
Dezember 2008
Zur Sozialrevolte in Griechenland
Als bescheidenen Beitrag zum proletarischen Internationalismus dokumentieren wir im Folgenden drei Texte aus der griechischen
Sozialrevolte in deutscher Übersetzung.
Die Genossinnen & Genossen von TPTG (Athen) machen in einem Bericht über die Geschehnisse deutlich, dass sich die Bewegung gegen eine umfassende
soziale Misere richtet:
"Es herrscht allgemein ein Gefühl der Feindschaft gegenüber der Polizei und viele haben überhaupt von allem genug. Die Polizeibrutalität und der
Ausbau des Polizeistaates seit den Olympischen Spielen 2004, miese Löhne und Arbeitsbedingungen, der Druck und das heftige Arbeitspensum, das den
Schülern der höheren Schulen abverlangt wird, der Unmut der Studenten angesichts eines Lebens, das zunehmend von Unsicherheit und Angst bestimmt ist,
die Korruption der Regierung und der klerikalen Autoritäten, die Überausbeutung der Migranten und eine Gesellschaft, die von einer immer tieferen
Klassenspaltung geprägt ist - das alles bildet eine explosive Mischung, der Mord an dem Jugendlichen war lediglich der zündende Funke."
Angehängt ist diesem Bericht ein Kommuniqué von Arbeitern der Gemeinde Aghios Dimitrios, die sich mit dem Massenaufruhr solidarisieren.
In Reaktion auf das üble Spiel der griechischen Gewerkschaften haben aufständische Arbeiter am Mittwoch, dem 17. Dezember, die Zentrale des
Gewerkschaftsverbandes GSEE in Athen besetzt, die seitdem als autonomer Versammlungsort dient. In ihrer Erklärung heißt es:
"All diese Jahre haben wir das Elend, die Zuhälterei, die Gewalt in der Arbeit geschluckt. Wir haben uns daran gewöhnt die Verkrüppelten und
unsere Toten - die sogenannten "Arbeitsunfälle" zu zählen. Wir haben uns zu ignorieren gewöhnt, dass Migranten - unsere Klassenbrüder und
-schwestern - getötet werden. Wir sind es müde, mit der Angst um den Lohnerwerb, die Steuerabrechnung und die Rente, die sich jetzt wie ein ferner
Traum ausmacht, zu leben."
***
24. April 2008
"Die soziale Revolution ist keine Parteisache!"
In Abgrenzung zur Sozialdemokratie und zum Bolschewismus sammelten sich zwischen den zwei Weltkriegen radikale Marxisten unter
der Parole "Die soziale Revolution ist keine Parteisache!" und setzten der etatistischen Arbeiterbewegung die Bewegung der Arbeiter entgegen. Mit
Cajo Brendel (1915 - 2007) hat uns der letzte Vertreter der damaligen rätekommunistischen Strömung verlassen. Bis an sein Lebensende hielt er ebenso
an der Ablehnung des Führertums und eines staatszentrierten Revolutionskonzepts fest wie an der Überzeugung, dass die Selbsttätigkeit der Arbeiter
Dreh- und Angelpunkt jeder Perspektive einer gesellschaftlichen Umwälzung ist.
Die Vorstellung des gerade im Unrast-Verlag erschienenen
Buches mit ausgewählten Texten von Brendel durch Christian Frings, einen der Herausgeber, wird Anlass sein, eine kritische Würdigung des
Rätekommunismus vorzunehmen. Diskutiert werden sollen seine Entstehungsbedingungen, Grenzen und seine Relevanz für eine klassenkämpferische
Position in den kapitalistischen Verhältnissen der Gegenwart.
Donnerstag, 24. April
19.30 Uhr, Kinzigstraße 9
Berlin-Friedrichshain
***
12. Januar 2008
Kosmoprolet 1 ausverkauft
Die erste Ausgabe der Zeitschrift Kosmoprolet ist ausverkauft. Eine digitale Version des gesamten Heftes sowie der einzelnen
Texte können
hier heruntergeladen werden.
***
12. Januar 2008
Zum Elend des "Postoperaismus"
Entgegen anders lautenden Ankündigungen haben sich die Freundinnen & Freunde der klassenlosen Gesellschaft nicht an der
Konferenz "No way out" (Frankfurt/Main, Dezember 2007) beteiligt. Warum der so genannte Postoperaismus, der dort als wichtiger "Ansatz"
verhandelt wurde, konformistischer Unfug ist, erklären zwei Freunde der klassenlosen Gesellschaft in einem Interview, das die Berliner Gruppe
Zlatan Orek im Vorfeld des Kongresses für die Zeitschrift Phase 2 geführt hat.